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Videoprojektion / 3 min. loop / 2013 / Projektionsgroöße 80 x 40cm / Beamer, Lautsprecher mit 85 dB

Eine Frau stürzt in den Schnee, wieder und wieder. Als hätte die Salve eines Erschießungskommandos sie in die Brust getroffen, kippt sie vornüber auf die Knie und sackt langsam in sich zusammen. Die ruhigen Zeitlupenaufnahmen des fallenden und auf den Boden aufschlagenden Körpers sind unterlegt mit der donnernden Geräuschkulisse einer Gebäudesprengung: der Detonation, die das Mauerwerk zerreißt, dem Splittern und Prasseln des Betons, schließlich dem unheimlichen Knacken und Knirschen der zerborstenen Stahlträger, mit dem das Haus allmählich verstummt wie ein verendendes Tier. In der Stille, die eintritt, rafft die Frau sich wieder auf, klopft die gläsern klirrenden Schneekrusten von der Kleidung, steht – und fällt erneut. Für den Betrachter, der sich vom Pathos der Zerstörung überwältigen lässt und doch mit dem Bild des menschlichen Todes konfrontiert wird, bleibt die Erfahrung unangenehm zwiespältig: weil die Ambivalenz von Schrecken und ästhetischer Faszination auch auf ihn zurückschlägt.

(Text: Dr. Christian Harthard)