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Installation / 2014 / 40 x 150 x 40 cm / Tumbleweed, Sound und Nebel
 

Vielleicht ist das die Freiheit: die Wurzeln kappen, sich vom Wind treiben lassen, mal sehen, wohin der Weg führt. So wie das tumbleweed, dieses seltsame Gewächs der amerikanischen Einöde, das sich zu einem dürren, verknoteten Knäuel zusammenkrümmt, sich aus dem Erdboden löst und auf die Böe wartet, die es vor sich herrollt, irgendwohin. Als Symbol für die Einsamkeit des „wilden“ Westens, aber auch für den Aufbruch ins Ungewisse hockt das nestartige Gebilde in Simone Kesslers Installation auf einer hölzernen Transportkiste wie auf dem gepackten Koffer. Nebel steigen auf. Ein heulender Wind erzählt von der kargen Schönheit der Prärie, verfängt sich im Gewirr der ineinandergefalteten Astfinger und lässt das tumbleweed erzittern. Es bebt, aber bewegt sich nicht von der Stelle; atmet, aber verharrt erschöpft am Endpunkt seiner Reise. So bleibt nur die Erinnerung an eine vermeintlich größere Weite, einen ferneren Horizont, eine verheißungsvollere Zukunft. Das Abenteuer ist nicht als Sperrgut zu verfrachten.

(Text: Dr. Christian Hartard)